Integration durch Sport im TV Fischbek

 

Der TV Fischbek (TVF), ein ehrenamtlich organisierter Sportverein im Süden Hamburgs mit etwa 1200 Mitgliedern, bietet Sport in 20 Sparten an. Im Einzugsgebiet des Vereins leben zu hohen Anteilen Migrantinnen und Migranten und einkommensschwache Familien. Seit 2002 verpflichten wir uns als DOSB-Stützpunktverein über unsere Freizeit-, Spiel- und Sportangebote zur Integration von Migrant/innen beizutragen.

Inzwischen haben wir eine gut strukturierte und belastbare Organisation aufgebaut und sind tief im Stadtteil vernetzt.

Engagement macht kompetent  – Aus- und Fortbildung

Mit regelmäßigen vereinseigenen Tages – oder Wochenendseminaren erreichen  wir  eine qualifizierte Ausbildung  unserer Übungsleiter und Helfer. Wir gewinnen ehrenamtlich engagierte Jugendliche (davon 50%  mit Migrationshintergrund) und verbessern die  vereinsinterne Kommunikation und Kooperation. Jeder Ehrenamtliche wird dabei ermutigt, sich selbst in seiner Tätigkeit zu reflektieren und sein Handeln an veränderte Situationen anzupassen.

Die Koordination dieser Angebote übernimmt unsere Schulungsbeauftragte, Silke Schönau (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

Bisher behandelten wir  Themen wie „Sport interkulturell“, „Kontaktteamerausbildung “,  „Erlebnispädagogik interkulturell“, „Sportler gegen Rechts“,  „ Interkulturelles Konflikttraining“ . Unser letztes vereinseigenes Seminar fand mit 23 Interessierten  zum Thema  „Sport mit Flüchtlingen“ in der AreNA Süderelbe  am  23.01.2016 statt.  Und für den September 2016 ist bereits eine 3tägige Fortbildung an der Ostsee geplant.

Wir freuen uns, dass unser Engagement in diesem Bereich honoriert wird. Wir sind Preisträger in dem Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2015. An der öffentlichen Auszeichnung bei einem Festakt im Mai in Berlin, wird unsere Integrationsbeauftragte Angelika Czaplinski (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) teilnehmen.

Sport in Vielfalt, Hands up!, … -  Niederschwellige Angebote

Mit teilweise kostenfrei zugänglichen Angeboten wecken wir die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen für die Bewegung in der Gemeinschaft und führen sie an einen regelmäßigen Freizeitsport heran.  Die unterschiedlichen Sportgruppen finden wohnortsnah statt, vorwiegend in der Siedlung Sandbek.

Unseren  Erfahrungen zeigen, wie hilfreich Sport sein kann, gleichermaßen motorische Fähigkeiten und soziale Verhaltenskompetenzen, wie Toleranz, Zuverlässigkeit, Streitanstand und Regelakzeptanz zu erlernen.

Kleine Talente, die in diesen Gruppen entdeckt werden, vermitteln wir in weitere Vereinsgruppen oder Mannschaften, bei Bedarf auch in Nachbarvereine.

Freundschaftsspiel  - unser besonderes  Projekt auf  4 Säulen

Beobachtungen zeigten, dass auch Kinder, die regelmäßig und eifrig integrative Sportgruppen besuchen, in ihrer übrigen Freizeit eher in ihren ethnischen Gruppen bleiben, weil die Eltern sehr einseitige Kontakte pflegen. Auch Frauen und Mütter mit Migrationshintergrund erreichten wir bisher kaum.

Andererseits tat sich der TVF häufig schwer auf besondere Wünsche von Migranten einzugehen. Wir hielten uns gern an die bestehenden Regeln und Strukturen.

Seit 2014 schlagen wir mit dem Projekt Freundschaftsspiel zusätzlich einen völlig neuen, spannenden Weg ein, bei dem wir bewusst die Familien einbeziehen und so Menschen mit vielfältigen Erfahrungen erreichen.

Auch der TVF verlässt dabei seine Routinen und gestaltete neue, kreative Angebote.

Kleinkinder und Mütter – Säule 1

Wöchentlich treffen sich junge Mütter der Zielgruppe mit ihren  Kleinkindern ab einem Jahr  in der Sporthalle Ohrnsweg, um gemeinsame Bewegungsangebote zu nutzen und soziale Kontakte aufzubauen.  Die Kinder werden frühestmöglich in ihrer sportlichen Entwicklung gefördert und erkennen hier kulturelle Vielfalt als Normalität. Die Mütter fühlen sich bei  den parallel stattfindenden sportlichen Aktivitäten  sehr wohl. So wird die  Begeisterung für den Sport und für das Vereinsleben in  Familien mit Migrantionshintergrund oder sozialer Benachteiligung getragen.





Familiensport – Säule 2

Es finden regelmäßig Treffen zum generationsübergreifenden  Familiensport am Samstag statt. Egal, ob bei Wanderung, Geländespielen,  Schwimmbadbesuch oder Sportfest, gern werden alternative Räume erschlossen und Outdooraktivitäten entwickelt, um der Hallenknappheit zu begegnen.

Für jede Aktion nimmt man sich mehrere Stunden Zeit, damit neben dem Sport auch ein reger Austausch möglich ist. Wir achten auf gesunder Verpflegung und geben jedem  die Möglichkeit, sich einzubringen. Mit diesen regelmäßigen Familiensportaktionen am Wochenende stärken wir nicht nur den Zusammenhalt innerhalb der Familien sondern fördern auch das sportliche und soziale Engagement aller Teilnehmer, egal welcher Herkunft.

Familienfreizeiten – Säule 3

Durch unsere bisher aufgebauten Kontakte, gelang es 2014 erstmalig eine interkulturelle Familienfreizeit durchzuführen.  Ängste und Hemmschwellen konnten durch intensive Vorbereitung mit vertrauten Ehrenamtlichen überwunden werden. Individuelle Lösungen für einkommensschwache Familien ermöglichten, dass niemand außen vor blieb.

Schon unsere erste 4tägige Familienfreizeit zu Pfingsten 2014 am Ratzeburger See übertraf alle Erwartungen. Man genoss das Miteinander beim Kochen nach internationalen Rezepten, das Speisen an großen Tischen, die netten Umgebung, die gemeinsamen sportlichen Aktivitäten und die tollen Gespräche am Abend.

Auch die zweite interkulturelle Familienfreizeit, Pfingsten 2015 auf Sylt, ermöglichte wieder intensive Erlebnisse, nicht nur im sportlichen, sondern auch im sozialen und emotionalen Bereich.

Besondere Beratungen – Säule 4

Jede  Aktivität, Veranstaltung und auch die laufenden integrativen Sportgruppen begleiten wir mit kompetenten Ehrenamtlichen, die beratend zur Seite stehen. So können nicht nur Fragen  zum Sportangebot des TVF, zur Mitgliedschaft, zu Beiträgen oder Zuschussmöglichkeiten individuell geklärt werden, sondern es wird auch vermittelnde Hilfe zu allgemeinen Alltagsthemen gegeben.

Seit März 2016 ist dafür auch unsere Stadtteilbotschafterin Ludmilla Zadireev (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) , im Einsatz, die gemeinsam mit dem HSB ausgebildet wurde.

Um auch Migranten/-innen mit nur geringen Deutschkenntnissen erreichen zu können, bieten wir seit 2014 mehrsprachige Broschüren zu unseren unterschiedlichen Sportangeboten an.

Freundschaftsspiel, bei dem jeder gewinnt – Resümee

War es zu Beginn des Projekts noch aufwändig, Familien für unsere Vorhaben zu begeistern, wird der Kreis unserer Aktiven immer größer. Familiensport findet im Schnitt mit 40 Teilnehmern statt, bei der ersten interkulturellen Familienfreizeit waren es 31, in diesem Jahr 53 und es gibt bereits 65 Voranmeldungen für unsere  4 interkulturellen Ferientagen an der Ostsee im Mai 2016.

Freundschaftsspiel ist das Meisterstück unserer langjährigen Integrationsarbeit, weil wir in diesem Projekt auch Personen und Gruppen erreichen, die vorher noch nicht von der großen Integrationskraft des Sports profitiert haben. Das sind neben Migrantenfamilien, auch Familien mit Kindern, die Bewegungseinschränkungen, ADHS oder Übergewicht haben. Hier erhält jeder großen Raum um seine Wünsche und Potentiale einzubringen.

Spielerisch gelingen Dialog und  Interaktion zwischen Einheimischen und Migranten. Es entwickeln sich Freundschaften, die im Alltag bestand haben und inzwischen engagieren sich hier Personen, die selbst Beispiele gelungener Integration darstellen.

Wir sind bereit  – „ Willkommen in Süderelbe!“

Natürlich bereitet sich der TV Fischbek auch auf neue Herausforderungen im Stadtteil vor. Unter der Federführung der Integrationsbeauftragten, Angelika Czaplinski, bildete sich innerhalb der Initiative „Willkommen in Süderelbe“ Mitte 2015 die Arbeitsgruppe „Spiel und Sport“ (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

Schneller als erwartet und anders als geplant, wurde auch in Fischbek kurzfristig und notdürftig eine Zentrale Erstaufnahme in einem leerstehenden OBI-Baumarkt am Geutensweg eingerichtet.  Natürlich waren gleich freiwillige Helfer von uns vor Ort. Am Freitag,  18.09.2015, zogen die ersten ca. 290 Flüchtlinge dort ein.

Keine 48 Stunden später, am Sonntagnachmittag, machten wir bereits unser erstes sportliches Angebot auf dem Außengelände. Ausgerüstet mit ein paar Bällen, Reifen und Seilen, Stelzen, einem Schwungtuch,… war es ganz unkompliziert mit den Kindern Kontakt aufzunehmen und zwei Stunden einfach Freude zu verbreiten.

Sport- und Freizeitangebote für Flüchtlinge – "Willkommen im Sport“

Seither sind wir regelmäßig Dienstag- und Samstagnachmittag mit 6 bis 12 Ehrenamtlichen für 2 Stunden auf dem Außengelände  der ZEA als Arbeitsgruppe „Sport und Spiel“ der Flüchtlingshilfe „Willkommen in Süderelbe“ aktiv.

Zusätzlich organisieren  den Sport auch außerhalb der ZEA, z.B.  gemeinsames Fußballspielen in der Soccer-Halle oder Ferienangebote in der Sporthalle. Gern begleiten wir Flüchtlinge, die gezielt nach speziellen Sportarten fragen, zu den entsprechenden Trainingsgruppen im Verein.

Durch unsere zeitnah zum Bezug der ZEA angebotenen Sportaktivitäten konnten wir bereits  frühzeitig die ersten Kontakte zu den Flüchtlingen knüpfen und deren Vertrauen gewinnen. In einer speziellen Fortbildung beim HSB war uns vermittelt worden,  welch heilende Wirkung Sport bei traumatisch belasteten Flüchtlingen haben kann.

Durch Bewegung gelingt der Abbau von Stressoren im Körper. Der Sport bietet  Kindern und Erwachsenen  die Möglichkeit aktiv zu sein und Beziehungen zu entwickeln,  ohne die neue Sprache gut zu beherrschen.

Auch deshalb war es uns wichtig, hier sofort ein verlässliches, regelmäßiges Angebot zu etablieren.


Da geht noch mehr  – „Spaß in der Sporthalle“, „Plätzchen backen“ Besuch von Veranstaltungen

Darüber hinaus planen wir spezielle Aktivitäten im Stadtteil oder organisieren Besuche von Veranstaltungen gemeinsam mit den Flüchtlingsfamilien

Am  Freitag, 20.11.2015 von 15:00 bis 18:00 Uhr, öffneten wir die Sporthalle Ohrnsweg für Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Mit besonderen Angeboten, die durch ein Team von Ehrenamtlichen vorbereitet und betreut wurden, verbachten sie gemeinsam nette, sportliche Stunden. Dabei entstandanen viele interkulturelle Begegnungen, bestehende Kontakte wurden gepflegt und Freundschaften vertieft.

Am Samstag, 5.12.15, luden  wir geflüchtete  Familien zu einem gemeinsamen vorweihnachtlichen Plätzchenbacken mit anderen Familien aus dem Stadtteil Fischbek ein.

Es folgen viele Freizeitangebote, wie der Besuch des Wildparks, Zuschauen bei Punktspielen des VT Aurubis oder ein großes Fußballspiel gegen eine Mannschaft vom FC Süderelbe.

Mit dem Projekt „Willkommen im Sport“ möchten wir nicht nur zum besseren Miteinander innerhalb der Unterkünfte beitragen, sondern auch Impulse zur Integration im Stadtteil setzen.   Eventuell bestehende Ängste sowohl bei den Einheimischen, wie auch bei den Zugewanderten sollen durch persönliche Begegnungen  abgebaut werden.

Sport ist bunt und bietet allen Menschen eine Heimat, denn der Sport macht keine Unterschiede zwischen Kulturen, Religionen und Sprachen und ist so als Integrationshilfe, insbesondere für junge Flüchtlinge, wesentlich.








Es läuft  – „TVFischbek & friends – fit4run“

In regelmäßigen Austauschtreffen reflektieren wir unsere Arbeit und entwickeln neue Sportangebote, um weitere Geflüchtete aus der ZEA sowie aus den Folgeunterkünften zu erreichen.

Zwei laufbegeisterte Helfer, Frank Schwarz und Frank Stritzel riefen im Januar 2016 einen Lauftreff an der ZEA ins Leben. Dafür legten wir unsere Ziele fest:

  • Flüchtlingen Orientierungshilfen geben, indem wir ihnen joggend den Stadtteil und die Umgebung zeigen
  • Schöne Laufwege/Natur vorstellen, um Flüchtlinge zum selbständigen Laufen und Spazieren mit Familien zu bewegen.
  • Laufen als Angebot zur Verbesserung des Wohlbefindens  und als „Therapie“ gegen aufkommenden „Lagerkoller“ in den Unterkünften

Sofort waren besonders sportliche Afrikaner dabei, die wir mit unseren vorherigen Aktivitäten nicht erreicht hatten und schnell gelang beim gemeinsamen Laufen mehr als wir uns vorgestellt hatten:

  • Förderung neuer Kontakte der Flüchtlinge untereinander und zu Deutschen, hieraus entstanden schon konkrete Hilfen wie zur Arbeits- und Wohnungssuche
  • Sprachanlässe schaffen: gemeinsames  Laufen ermöglicht viele konkrete Trainingsmöglichkeiten zum Deutschlernen  z.B. können wir, besonders beim langsamen Laufen, gut auch den Sprachschatz erweitern und konkret Grammatik üben.
  • Mit den Kindern klappt es auch gut beim Laufen rhythmisch Deutschtexte zu skandieren….
  • Aktivierung und Integration von Mädchen und Frauen

Angelika Czaplinski und ihr  TV Fischbek- Team sind seit vielen Jahren bei der Organisation rund um den Hamburg Marathon aktiv. Durch diese Beziehung  gelang es, für unsere Schützlinge ein kostenloses Staffel-Ticket zu bekommen.

Das steigerte den Trainingseinsatz und unsere gemeinsamen Aktivitäten. Mit der geplanten Marathonstaffel  erweitern die Teilnehmer  ihre Erfahrungen noch einmal personell und lokal auf unser schönes Hamburg.

Die Laufgruppe ist offen für jedermann / jede Frau aus dem Süderelbegebiet egal welcher Herkunft oder Nationalität. Über die Info Boards in der ZEA oder in den Folgeunterkünften, die WhatsApp Gruppe „Willkommen im Sport“ sowie die Pinnwand der Initiative „Willkommen in Süderelbe“ und der Homepage des TV Fischbek werden alle mit den neusten Terminen und Informationen auf dem Laufenden gehalten. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Partner

Banner
Banner
Banner
Valid XHTML & CSS | Copyright © 2010 by TV Fischbek von 1921 e. V.